DIE LÜCKE 3.0
Heute 18 Uhr 45, Raum für Alle, Genovevastr./Keupstraße Führung mit Anwohner:innen über die Keupstraße, 20 Uhr 15, DIE LÜCKE 3.0 im Kulturbunker Mülheim
2026 jährt sich der Nagelbomben-Anschlag, der die Keupstraße 2004 erschütterte, zum 22. Mal. Die Bomben verletzten über zwanzig Menschen stark, mehrere lebensgefährlich. Im Anschluss fanden die Ermittlungen jahrelang ausschließlich im Anwohner:innenkreis statt. Opfer und Angehörige des Anschlages wurden als potentielle Täter:innen stigmatisiert. Hinweise darauf, dass der Anschlag rassistisch motiviert sei, wurden von Seiten der polizeilichen Ermittler:innen zum Teil aktiv verschleiert. Der Regisseur Nuran David Calis erarbeitete 2014 am Schauspiel Köln gemeinsam mit drei Anwohner:innen und drei Ensemble-Schauspieler:innen das Stück DIE LÜCKE, um die Menschen, deren Leben der Anschlag zutiefst erschüttert und verändert hatte, zu Wort kommen zu lassen.
Bei der Premiere der LÜCKE 2014 hatte der Gerichtsprozess gegen die Mitglieder des sog. Nationalsozialistischen Untergrundes in München gerade erst begonnen. Er sollte insgesamt fünf Jahre dauern und mit einem für die Angehörigen der Opfer niederschmetternden Urteil enden, denn viele Mitangeklagte kamen mit sehr geringen Strafen davon und waren teilweise gleich nach Prozessende wieder auf freiem Fuß. Auch nach dem Schuldspruch beklagten die Anwält:innen der Mordopfer, dass das Gericht verpasst hätte, ihnen ein Gesicht zu geben.
Die Inszenierung findet nun ihre Fortsetzung im Kulturbunker in Mülheim. Nach einer Führung von Anwohner:innen auf der Keupstraße werden die Betroffenen erneut befragt: Wie nehmen sie das NSU-Gerichtsurteil und den Schuldspruch wahr? Wie ist der aktuelle Stand bezüglich des Mahnmals, dem sich immer noch in Planung befindenden Erinnerungs- und Lernortes in Keupstraßen-Nähe? Ein Stück, das seit seiner Uraufführung konsequent Rassismus, Ausgrenzung und gesellschaftliche Vielfalt thematisiert.